{"id":1643,"date":"2013-11-27T18:34:54","date_gmt":"2013-11-27T17:34:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/?p=1643"},"modified":"2013-11-28T18:12:27","modified_gmt":"2013-11-28T17:12:27","slug":"in-your-face-babo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/in-your-face-babo\/","title":{"rendered":"In your face, Babo!"},"content":{"rendered":"<p dir=\"ltr\"><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/rapper-haftbefehl_42125518.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1647 alignright\" alt=\"rapper-haftbefehl_42125518\" src=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/rapper-haftbefehl_42125518.jpg\" width=\"269\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/rapper-haftbefehl_42125518.jpg 800w, https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/rapper-haftbefehl_42125518-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 269px) 100vw, 269px\" \/><\/a>Nun ist es also da, das neue <strong>deutsche Jugendwort 2013<\/strong>: &#8222;<strong>Babo&#8220;<\/strong> ist es geworden, das im Kurdischen in etwa Papa oder Chef bedeutet. Damit ist ein Wort auf dem ersten Platz gelandet, dass aus dem <a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/2013\/10\/26\/grammatik-deine-mudda\/\">Kiezdeutschen<\/a> stammt, \u00fcber das wir vor kurzem berichtet haben. Der Begriff <em>Babo<\/em> schaffte es vor allem durch einen Song des kontroversen <strong>Rappers Haftbefehl<\/strong> in die Wahrnehmung der \u00d6ffentlichkeit (&#8222;<em>Chabos wissen, wer der Babo ist<\/em>&#8222;). Heike Wiese (eine Linguistik-Professorin der Uni Potsdam, die im Bereich der Jugendsprache forscht) erkl\u00e4rt, f\u00fcr sie sei das Gewinnerwort 2013 eine positive \u00dcberraschung gewesen. Sie best\u00e4tigt &#8211; mit einigem Erstaunen &#8211; dass es tats\u00e4chlich verwendet wird.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Dass die Linguistin so \u00fcberrascht ist, sagt eine Menge aus. Seit 2008 k\u00fcrt eine <strong>Jury aus Jugendlichen und Journalisten<\/strong> im Alter zwischen 13 und 65 Jahren das <strong>Jugendwort des Jahres<\/strong>. Hinter dem Projekt steht der f\u00fcr seine W\u00f6rterb\u00fccher bekannte <strong>Langenscheidt-Verlag<\/strong>. Ich bin zwar mit meinen 28 Jahren auch nicht mehr unbedingt in die Kategorie \u201cjugendlich\u201d einzuordnen, aber wer oft in den \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln Berlins fahren muss und halbwegs offene Ohren daf\u00fcr hat, der kommt an Jugendsprache nicht vorbei. W\u00f6rter wie <em>Gammelfleischparty<\/em> (Gewinner 2008) oder <em>Niveaulimbo<\/em> (2010) klingen kaum nach echter Jugendsprache. Man vermutet dahinter eher (kurz vor der Pension stehende) Redakteure, die sich Ausdr\u00fccke ersinnen, die die Jugend von heute ihrer Meinung nach so verwendet. Die Kriterien, laut Langenscheidt Verlag <strong>sprachliche Kreativit\u00e4t, Originalit\u00e4t, Verbreitungsgrad und gesellschaftliche Relevanz<\/strong> erf\u00fcllen diese Begriffe nicht \u2013 Man haut sie kaum jemals jenseits der Pressemeldungen zur Wahl des Jugendwortes geh\u00f6rt. Ich selbst bin ihnen bis heute kein einziges mal begegnet<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das ist umso erstaunlicher, als dass <strong>popul\u00e4re jugendsprachliche Begriffe<\/strong> nach und nach auch in den normalen Sprachgebrauch post-jugendlicher Zeitgenossen einsickern. Ich wei\u00df noch, dass unsere Grundschullehrerin sehr b\u00f6se werden konnte, wenn sie jemanden von uns auf dem Schulhof das Wort <em>geil<\/em> sagen h\u00f6rte. Nicht nur, dass der Begriff heute seine einst anr\u00fcchige Aura eingeb\u00fc\u00dft hat, es sind sogar andere zeitgeistige Begriffe wie beispielsweise die <em>Geiz-ist-Geil-Mentalit\u00e4t<\/em> daraus erwachsen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch zur\u00fcck zu den Jugendw\u00f6rtern, die die Langenscheidt-Jury gek\u00fcrt hat. Neben Babo haben es dieses Jahr noch (in der Reihenfolge der Platzierung) <strong><em>Fame<\/em>, <em>gediegen<\/em><\/strong> und <strong><em>in your face<\/em><\/strong> geschafft. Das klingt doch schon besser als <em>Bildschirmbr\u00e4une<\/em> (2. Platz 2008) oder <em>unterhopft sein<\/em> (F\u00fcr Bier trinken wollen &#8211; 3. Platz 2008). Die Frage ist nur: Sind das wirklich Jugendbegriffe? Schlie\u00dflich geh\u00f6ren gediegen und in your face zum festen Repertoire des wie gesagt nicht mehr ganz so jugendlichen Verfassers dieses Textes.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Solche Wahlen sind also immer mit Skepsis zu betrachten, sie dienen vor allem dazu <strong>Werbung f\u00fcr den betreffenden Verlag<\/strong> und sein <strong>Lexikon der Jugendsprache<\/strong> zu machen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/794919469_orig.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-1646\" alt=\"794919469_orig\" src=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/794919469_orig.jpg\" width=\"270\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/794919469_orig.jpg 750w, https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/794919469_orig-300x240.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a>Der f\u00fcnfte Platz geht \u00fcbrigens an <em>Hakuna Matata!<\/em> einen Ausruf, der durch den Disney- Zeichentrickfilm <strong>K\u00f6nig der L\u00f6wen<\/strong> bekannt geworden ist. Dieser Klassiker stammt aus dem Jahr 1994. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich diesen Begriff von den Chabos und Babos der Berliner U-Bahnen jemals h\u00f6ren werde.<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong>Wie findet ihr das Jugendwort 2013? Fallen euch andere Begriffe ein, die es mehr verdient h\u00e4tten, zu gewinnen?<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nun ist es also da, das neue deutsche Jugendwort 2013: &#8222;Babo&#8220; ist es geworden, das im Kurdischen&#8230;","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,79,82,40,17],"tags":[],"class_list":["post-1643","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutsche-kultur","category-sprache","category-internetsocialmedia","category-personliches","category-witzigesundkurioses"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1643"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1649,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1643\/revisions\/1649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}