{"id":2179,"date":"2014-04-21T13:36:17","date_gmt":"2014-04-21T12:36:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/?p=2179"},"modified":"2014-04-21T13:36:17","modified_gmt":"2014-04-21T12:36:17","slug":"die-sprache-der-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/die-sprache-der-hoffnung\/","title":{"rendered":"Die Sprache der Hoffnung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Kunstsprache Esperanto sollte eine allgemein akzeptierbare Zweitsprache f\u00fcr die gesamte Welt werden \u2013 heute ist sie bestenfalls eine Kuriosit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Eine Sprache, die von allen V\u00f6lkern dieser Welt gesprochen wird, und mehr: die f\u00fcr alle gleich leicht zu erlernen ist; eine Weltsprache, dank der sich selbst Indochinesen und Saarl\u00e4nder kinderleicht verst\u00e4ndigen k\u00f6nnten, und zwar ohne dass eine schon existierende Sprache privilegiert w\u00fcrde \u2013 was f\u00fcr eine sch\u00f6ne, friedensf\u00f6rdernde Vorstellung!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/zamenhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2181 alignright\" alt=\"zamenhof\" src=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/zamenhof.jpg\" width=\"176\" height=\"247\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das dachte sich Ludwig Zamenhof, der im damals zum Russischen Zarenreich und sp\u00e4ter zu Polen geh\u00f6renden Bialystok geboren wurde, wo viele verschiedene Sprachen gesprochen und viele heftige Konflikte zwischen den (Sprach-)Gemeinschaften ausgetragen wurden. Und so erfand Zamenhof seine <i>Lingvo internacia, <\/i>die er 1887 unter dem Pseudonym \u201eDoktoro Esperanto\u201c der \u00d6ffentlichkeit vorstellte. Weswegen die Sprache heute besser bekannt ist als <i>Esperanto<\/i>, was sinnigerweise \u201eein Hoffender\u201c bedeutet.<\/p>\n<p>Die <i>Lingvo internacia<\/i> sollte leicht zu erlernen und f\u00fcr alle Sprachgemeinschaften als Zweitsprache annehmbar sein. Sie entleht Elemente aus dem Romanischen, Slawischen und Germanischen und hat eine recht einfache, durch und durch logische Grammatik.<\/p>\n<p>\u201eKein Sprachimperialismus oder Privileg des Bildungsadels\u201c also, \u201ela langue de l\u2019amour\u201c, so singen <i>Freundeskreis<\/i>. Die Sprache, auf der die Geister miteinander kommunizieren, so ist die Heldin aus Isabel Allendes \u201eGeisterhaus\u201c Clara \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Warum hat sie sich nicht durchgesetzt? Weltweit gibt es heute blo\u00df zwischen einer halben und zwei Millionen Sprecher, die Jahrestreffen haben nur knapp ein paar tausend Teilnehmer. Schade ist das, und auch ein bisschen verwunderlich, gibt es doch mehr als genug Kritiker an der englischen Sprachvormacht. Gerade die Franzosen, sollte man meinen, m\u00fcssten eifrige Sprecher sein, beschweren die sich doch dar\u00fcber, dass heutzutage mehr englisch gesprochen wird als w\u00e4hrend der Nazi-Besetzung deutsch. Es ist allerdings nicht bekannt, dass es besonders viele franz\u00f6sische Sprecher g\u00e4be. In Ungarn dagegen ist Esperanto sogar Pflichtfach an den Unis. Doch auch das hilft insgesamt herzlich wenig; in seinem mehr als hundertj\u00e4hrigem Bestehen hat es <i>Esperanto<\/i> nicht geschafft, \u00fcber den gut gemeinten Versuch hinaus zu kommen, vom Status einer internationalen Zweitsprache ist es Lichtjahre entfernt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/esperanto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"esperanto\" src=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/esperanto.jpg\" width=\"275\" height=\"183\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Manko des Esperanto ist wie bei allen Kunstsprachen, dass sie \u2013 wie der Name erahnen l\u00e4sst \u2013 k\u00fcnstlich, also erfunden sind. Sie sind nicht organisch gewachsen, es gibt keine nat\u00fcrliche Muttersprachgemeinschaft \u2013 englisch ist auch deswegen so einflussreich, weil es allein 330 Millionen Muttersprachler gibt. Der Sprachkritiker Wolf Schneider schreibt, Kunstsprachen fehle die W\u00e4rme, die Aura und Tiefe, deswegen d\u00fcrfe man sie heute allesamt f\u00fcr tot erkl\u00e4ren. \u00a0Rein praktisch gesehen denkt sich das die Mehrheit wohl so: Warum brauchen wir eine k\u00fcnstliche Weltsprache, die f\u00fcr alle einfach zu erlernen ist, wenn wir faktisch eine solche schon haben? (Denn der andere Grund, warum englisch die meistverbreitete Weltsprache ist, liegt darin, dass Mandarin mit seinen 845 Millionen Muttersprachlern einfach zu kompliziert ist.)<\/p>\n<p>Ganz einfach: Weil es 6,1 Milliarden Menschen auf der Erde gibt, die nicht englisch sprechen. F\u00fcr <i>Esperanto<\/i> bedeutet das:<\/p>\n<p>La espero mortas laste.<br \/>\n(Die Hoffnung stirbt zuletzt.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&nbsp; Die Kunstsprache Esperanto sollte eine allgemein akzeptierbare Zweitsprache f\u00fcr die gesamte Welt werden \u2013 heute ist&#8230;","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[77,79,85,17],"tags":[56,19,113,600,151,128,95],"class_list":["post-2179","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-sprache","category-interkulturelles","category-witzigesundkurioses","tag-etymologie","tag-europa","tag-fremdsprachen","tag-interkulturelles","tag-internationales","tag-linguistik","tag-sprachen"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2179"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2189,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179\/revisions\/2189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}