{"id":2238,"date":"2014-05-15T15:50:25","date_gmt":"2014-05-15T14:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/?p=2238"},"modified":"2014-05-15T15:50:25","modified_gmt":"2014-05-15T14:50:25","slug":"wuerden-sie-einen-unbekannten-vor-einen-zug-schubsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wuerden-sie-einen-unbekannten-vor-einen-zug-schubsen\/","title":{"rendered":"W\u00fcrden Sie einen Unbekannten vor einen Zug schubsen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das h\u00e4ngt davon ab, auf welcher Sprache Sie gefragt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Der preisg\u00fcnstigste, effektivste und romantischste Weg, eine <strong>Fremdsprache zu lernen<\/strong>, ist eine <strong>Liebesaff\u00e4re mit einem entsprechenden Muttersprachler<\/strong>, das ist schon lange \u00a0kein Geheimtipp mehr. Warum das so ist? Weil positive Emotionen wie Freude, Interesse, Zufriedenheit, Stolz und Liebe das Gedanken-Handlungs-Repertoire erweitern, wie die US-amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson herausgefunden hat. Hei\u00dft: <strong>Wir werden schlauer durch positive Emotionen<\/strong>. Hei\u00dft auch: <strong>Emotionen helfen, kognitive Leistungen zu erbringen<\/strong> \u2013 wie zum Beispiel das Erlernen fremder Sprachen.\u00a0 Oder wie die beiden Sprachpsychologen Peter MacIntyre und Tammy Gregersen schreiben: \u201ePositive Emotion neigt dazu, die Perspektive zu erweitern, indem es die individuelle Perspektive aufbricht, um Sprache zu absorbieren.\u201cNegative Emotionen hingegen verengen den Fokus und beschr\u00e4nken den potentiellen Sprachinput.<\/p>\n<p>Wenn Sie also keinen Liebhaber mit der passenden Muttersprache finden, tut\u2019s auch jeder andere. <strong>Verliebtheit macht n\u00e4mlich nicht nur blind, sondern auch klug<\/strong>, weil sie uns hilft, kognitive Leistungen zu erbringen.<\/p>\n<p>Die Verbindung zwischen Fremdsprachen und Emotionen hat aber auch noch eine andere Seite: In Fremdsprachen denkend sind wir weniger emotional, und das hat Auswirkungen auf moralische Entscheidungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<strong><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fremdspracheundgefuehl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"Fremdspracheundgefuehl\" src=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fremdspracheundgefuehl-300x144.jpg\" width=\"300\" height=\"144\" \/><\/a><\/strong>Spanische Psychologen von der Universit\u00e4t Pompeu Fabra in Barcelona haben einen <strong>Test mit Menschen unterschiedlicher Muttersprachen<\/strong> durchgef\u00fchrt, in dem die 725 Probanden mit einem klassischen <strong>moralischen Dilemma<\/strong> konfrontiert wurden: \u201eStellen Sie sich vor, ein Zug rast auf f\u00fcnf Menschen zu und Sie k\u00f6nnten sie retten, indem Sie einen sehr dicken Mann vor den Zug schubsen.\u201c\u00a0 Der Test zeigte, dass die <strong>Antwort signifikant davon beeinflusst<\/strong> wird, <strong>ob man die Frage in seiner Muttersprache oder in einer Fremdsprache gestellt bekommt<\/strong>. Die Probanden, die in einer Fremdsprache gefragt wurden, neigten eher zur utilitaristischen Sicht: Um f\u00fcnf Menschen zu retten, ist es legitim, einen Menschen zu opfern. Die Mutterspracher dagegen zeigten Skrupel, einen unschuldigen Mann zu opfern. Woran liegt das?\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/www.language-trainers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Fremdspracheundgefuehl.jpg\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ganz einfach: <strong>Wenn wir in einer Fremdsprache denken, m\u00fcssen wir eine h\u00f6here kognitive Leistung erbringen<\/strong>, was die Emotionalit\u00e4t reduziert und das rationale Denken aktiviert. Die Wissenschaftler f\u00fchrten noch andere Tests zum rationalen Denken durch. Dabei schnitten die Teilnehmer besser ab, wenn sie auf einer Fremdsprache gefragt wurden; in ihrer Muttersprache fielen sie leichter auf intuitiv naheliegende Antworten herein, die sich jedoch bei weiterer \u00dcberlegung \u00a0als falsch erwiesen.<\/p>\n<p>Schon werden Stimmen laut, die Konsequenzen aus diesen Ergebnissen ziehen wollen. Immigranten zum Beispiel seien besser geeignet als Jurymitglieder bei Gericht, da sie pragmatischer als Einheimische bzw. Muttersprachler urteilen w\u00fcrden, so sagt Boaz Keysar, Psychologieprofessor an der University of Chicago.<\/p>\n<p>Und was sagt uns das alles? <strong>Muttersprachler sind gut f\u00fcr Gef\u00fchle, Fremdsprachler f\u00fcrs rationale Denken<\/strong>. Das sollte man tats\u00e4chlich ausnutzen \u2013 siehe den Vorschlag von Professor Keysar. Auch im Privaten: Sollen sie sich doch zusammentun, das ergibt einander perfekt erg\u00e4nzende Paare! Und zweisprachige Kinder! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haben Sie weitere Ideen, wie man diese wissenschaftlichen Ergebnisse ausnutzen k\u00f6nnte? Schreiben Sie uns!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das h\u00e4ngt davon ab, auf welcher Sprache Sie gefragt werden. 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