richtig-blog.pngEin Leben als Digital Nomad in Südostasien klingt für die meisten Leute nach Kokosnüssen am Strand, surfen und gelegentlich in Strandbars am Laptop sitzen. Natürlich besteht mein Businessoutfit aus Bikinis und bunten Elefantenhosen. Meine Armbanduhr musste bunten Armbändern und Fußkettchen weichen und statt am Schreibtisch zu sitzen liege ich in der Hängematte, während ich darüber sinniere wo ich meinen nächsten Drink herbekomme.

Wie so häufig ist das in der Realität jedoch anders. Mein Leben ist kein Rosamunde Pilcher Roman, bei der ich an jedem neuen Ort einer weiteren großen Liebe begegne, noch reise ich auf dem ZDF Traumschiff durch die Gegend. Glücklicherweise ist es aber auch von den Pleiten, Pech und Pannen der unzähligen Auswandererserien entfernt, bei denen ich mich immer wieder Frage warum zur Hölle jemand mit 2.000,00 € auf dem Konto sein Hab und Gut verkauft, um eine Currywurstbude auf Gran Canaria zu eröffnen.

Nein, für nichts auf der Welt möchte ich meinen jetzigen Lebensstil ändern, aber es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass er auch einige Tücken mit sich bringt. Nicht zu vergessen, die schiefen Blicke, die ich ernte, wenn ich erschöpft erwähne, dass ich gern ein paar Tage Urlaub hätte. Vorwurfsvoll schallt es dann immer zurück: „Häh, du machst doch nichts anderes!?!“ Ähem ja genau, anstatt einem neuen Job habe ich mir nämlich einfach einen Sugardaddy gesucht, der mir einmal im Monat Lohnabrechnungen schickt.

Wer sich dafür entscheidet ein Leben als Digital Nomad zu führen, sollte sich nicht nur im Klaren darüber sein, dass er verschiedene persönliche Voraussetzungen mitbringen sollte, sondern auch mit ganz neuen und unerwarteten Problemen des Alltags zu rechnen hat. Denn auch wenn man in seiner Mittagspause mit einer frischen Kokosnuss an den schönsten Stränden der Welt sitzt, holt einen auch hier der Alltag und das Arbeitsleben ein.

  1. Disziplin gepaart mit Selbstmotivation

Das sind tatsächlich zwei Dinge, die unabdingbar sind. Denn wer morgens nicht den Druck hat seinem Chef pünktlich im Büro begegnen zu müssen, muss sich selbst motivieren mit der Arbeit anzufangen und das dann auch durchziehen. Besonders schwierig wird es, wenn man Besuch von Familie/ Freunden bekommt, die tatsächlich denken man pennt den ganzen Tag in der Hängematte. Umso mehr man von Menschen umgeben ist, die Urlaub machen, desto mehr Disziplin und Motivation muss man aufbringen, um sein Arbeitspensum zu erfüllen. Hilfreich ist es sich eine feste Tagesstruktur zu schaffen und nicht hingegen aller Vorstellungen blind in den Tag hineinzuleben.

2. Wohnen

Sollte es der Fall sein, dass man tatsächlich viel reist, ist es auf Dauer auch nervig immer wieder neue Unterkünfte zu suchen. Was am Anfang noch spaßig ist, wird mit der Zeit immer anstrengender. Zeitgleich wird man auch immer besser die Angebote zu durchschauen. Wenn dann kein Foto vom Badezimmer zu sehen ist, weiß man direkt warum. Meistens hat jede Unterkunft so ihre Tücken. Laute Air Condition, kleine krabbelnde Mitbewohner, auf die man gern verzichten möchte, kein warmes Wasser, steinharte Betten, die dich nachts nicht schlafen lassen, dafür aber deinen nächsten Besuch im Spa rechtfertigen.

Alle paar Tage den Koffer ein- und auszupacken wird irgendwann lästig. Und auch wenn ich behaupten kann, dass ich darin immer besser ist und bleibt das mein Cardio Training. Wenn man es richtig anstellt, lässt sich damit der ganze Körper trainieren und man spart sich den Beitrag fürs Gym.

3.  Freunde

Ja, mit Sicherheit ist es easy peasy überall Anschluss zu finden. Digital Nomads und Auswanderer gibt es überall. Die finden sich über Foren, Tinder, Co Working Spaces und auch in Hostels ist es ein leichtes Anschluss zu finden. Wer dann aber zum zehnten Mal die immer wieder gleichen Sätze: „Wo kommst du her?“, „Was machst du?“ und „Wie lange schon?“ von anderen und sich selbst gehört hat ist schnell gelangweilt. Nein, ich will nicht mehr hören, dass Tim aus Deutschland sein super erfolgreiches Start Up gegründet hat und auch nicht, dass Brian aus Hawaii sein Geld mit Geschichten schreiben verdient und viel lieber den ganzen Tag lang surfen geht, Ava aus Brisbane super glücklich ist, weil sie ihrer Spiritualität nun freuen Lauf lassen und andere Leute während ihrer Yoga Stunden damit bereichern kann. Genauso wenig möchte ich von Anne und Max hören, dass das Leben als Digital Nomade ja wirklich beeindruckend und aufregend sein mag, aber für sie erstmal nichts. Sie müssen jetzt auch schnell zum Flughafen. Der Flug nach Hoppstädten-Weiersbach geht in vier Stunden.

Und dann gibt es die Momente, in denen man die guten Freunde vermisst. Denn wer sonst, außer der besten Freundin, kann stundenlang zuhören, wenn sich der Typ vom letzten Tinder Date plötzlich nicht mehr meldet.

4. Sightseeing Stress

Ich bin satt. Satt von Tempeln und Wasserfällen, Elefanten reiten und Nachtmärkten. Und dennoch überkommt mich immer wieder dieses schlechte Gewissen. Nein, ich möchte nicht überall wo ich hinreise wild fotografierend durch die Gegend rennen und mir alle Sightseeing Attraktionen ansehen. Am Ende ist es für mich mittlerweile alles ein Brei. Nach dem 20. Tempel und der 5. Trekkingtour sehe ich keinerlei Sinn mehr darin noch eine weitere zu machen und möchte viel lieber einen ganzen Tag vom Bett aus zu arbeiten. Oder auch zwei und mich dem ganzen Sightseeing Wahnsinn zu entziehen.

5. Wo bin ich?

Ja, neue Orte erkunden macht Spaß. Jeden dritten Tag nach einem Supermarkt, Café mit gutem WLan oder einem Rollerverleih Ausschau zu halten ist irgendwann auch anstregend. Ein hoch auf den guten Lieferservice! Der bringt zwar weder W-Lan noch Roller ins Haus, aber womöglich ein Stück Kuchen, das darüber hinweg tröstet.

In Gegenden, die touristisch nicht besonders erschlossen sind, kann das Essen auch mal eine Herausforderung werden. Besonders dann, wenn du nicht scharf darauf bist das lokale Ziegen Curry auszuprobieren oder sich dir bei dem Gedanken an Rinderhufe, gekochte Frösche oder Haiflosse der Magen umdreht. Falls dir dann der Appetit vergeht, musst du wenigstens nicht nach der nächsten hippen veganen Salatbar suchen.

6. Kreditkartenmissbrauch

Jetzt mal ehrlich Leute, was soll das? Mir ist es jetzt zwei mal in den letzten 10 Wochen passiert.  Ich habe echt die Nase voll davon. Der Aufwand dabei ist gigantisch. Das erste Mal in Indonesien. Die Bank sagte mir, sie bräuchte ein Formular der Polizei. Können die haben, dachte ich mir, wurde aber schnell eines besseren belehrt. Die Polizeistation, die am nächsten Ort war, sagte mir, sie können das leider nicht machen. Man hätte nicht das richtige Formular. Also los ging es in den nächst größeren Ort. Nach 90 Minuten Fahrt mit meinem balinesischen Fahrer, der versuchte die Fahrtzeit auf ein drittel zu reduzieren und mir gleichzeitig als Übersetzer diente, ging die ganze Misere los. Die Polizeistation bestand aus zwei Gebäuden. Weder in dem einen, noch in dem anderen Gebäude war man besonders motiviert mir zu helfen. Zeitweise erinnerten mich das Ganze an die Schnitzeljagden in meiner Kindheit. Nur ohne Gummibärchen. In einem Gebäude erhielt ich das Formular, dann musste ich ins andere für eine Kopie, wieder zurück ins andere Gebäude für den Stempel und dann wieder ins andere für eine Unterschrift. Dann saß ich plötzlich mit fünf Polizisten, dem balinesischen Fahrer Kaffee trinkend im Kreis und es wurde erstmal eine Pause gemacht und bedauernd der Kopf geschüttelt, bis die ganze Rennerei wieder von vorn losging. Am Ende hat mich das ganze nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit und Nerven gekostet.

7. W-Lan

Da gibt es jetzt wirklich nicht viel zu sagen. Grundvoraussetzung damit ich arbeiten kann ist gutes Internet. Dass das manchmal gar nicht so leicht ist und wildes rumhämmern auf Tastaturen und Routern nichts bezweckt habe ich auch erst in den letzten Monaten gelernt.

Aber jetzt mal Butter bei die Fische oder Som Tam beim Strand. So schlimm ist es nicht. Denn wie gesagt eintauschen möchte ich es nicht. Natürlich läuft nicht immer alles rund, aber es gibt genug Gründe nicht damit aufzuhören.

  1. Freiheit zu Reisen

Die Welt ist mein zu Hause. Welch unglaublich kitschiger Spruch und doch beschreibt er genau wie ich mich fühle. Trotz all der kleinen und großen Tücken genieße ich es zu Reisen und immer wieder neue Orte zu entdecken. Das Freiheitsgefühl, das mir dabei von den Zehen- bis in die Fingerspitzen kriecht entschädigt alles. Möchtest Du auch ortsunabhängig arbeiten? Dann such hier nach einem Remote-Job und entdecke die Welt eines digitalen Nomades

2. Freunde

Ja, meine engsten und ältesten Freunde vermisse ich und so schnell lassen die sich nicht ersetzen. Schön ist, dass man die Möglichkeit bekommt an jedem neuen Ort neue Menschen kennen zulernen.

 

3. Klassischer Arbeitstag

Während ich früher versucht habe mir in 30 Minuten Mittagspause etwas zu Essen zu besorgen, dann viel zu lange in der Schlange stand und am Ende noch 10 Minuten Zeit hatte, um das ganze herunter zu schlingen oder schmatzend vorm Computer saß, in der Hoffnung, dass meine Kollegin ans Telefon geht, kann ich nun in der Mittagspause ins Meer hüpfen und meine Arbeitszeiten anders strukturieren. Häufig bedeutet das für mich um 6 Uhr aufstehen, arbeiten, dann eine lange Mittagspause machen und am Abend weiterarbeiten. Am Ende habe ich so das Gefühl mehr aus meinem Tag zu machen und darauf kommt es ja nun einmal an.

4. Sprachen

Ich will nicht behaupten, dass man automatisch zum Sprachweltmeister wird und ich nun jede Sprache des Landes spreche, in dem ich war. So lange man als Deutscher nicht in Deutschland als Digital Nomad arbeitet, bleibt es wohl kaum aus, dass man hier und da doch mal ein Wort aufschnappt und seinem Wortschatz hinzufügt.

5. Mutig

Vielleicht ist Mut schon eine der Grundvoraussetzungen, um sich darauf einzulassen. Meine Erfahrung ist, dass ich in der bisherigen Zeit nicht nur mutiger, sondern auch selbstbewusster geworden bin. Frei nach Pippi Langstrumpf „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“ Denn etwas neues erwartet einen in jedem weiteren Land, das man bereist und daran wächst man unablässig. All diese neuen Erlebnisse führen am Ende nicht nur dazu, dass man mutiger wird, sondern auch selbstbewusster und wenig vor neuen Situationen zurückschreckt.

6. Minimalismus

Ja, wer alle paar Tage seinen Koffer neu packen und schleppen muss, der überlegt sich drei Mal, ob es jetzt wirklich noch die Porzellan Schale aus Hong Kong ins Gepäck schafft und wie durch ein Wunder brauche ich plötzlich auch nicht mehr fünf verschiedene Cremes für mein Gesicht, 20 verschiedene Nagellacke und für jeden Anlass die richtigen Schuhe plus passende Handtasche.

7. Pyjama

An manchen Tagen, für mich einer der besten Punkte. Im Pyjama vom Bett aus arbeiten. Ungeschminkt und mit ungekämmten Haaren mit einem großen Glas Erdnussbutter in der Hand. Auch wenn ich weiß, dass sich ein zauberhafter Strand vor meiner Tür erstreckt, der ist ja morgen zum Glück immer noch da.

So, ich muss jetzt los. Zeit für ein neues Glas Erdnussbutter.

 

 

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