Archive for Juni, 2010

Doppelt Lernen

Beim Versuch meine Französischkenntnisse auch außerhalb der Universität weiter zu verbessern, habe ich über die Gesamtlernsituation reflektiert und mir ist aufgefallen, dass es durchaus möglich ist seine Sprachkenntnisse aufzuwerten und dabei die einer weiteren zu verfeinern. In meinem Fall zum Beispiel, habe ich die vergangenen Jahre Französisch in einem englischen Sprachumfeld gelernt. Beides Fremdsprachen für mich, so ermöglichten meine besseren Englischkenntnisse jedoch diese Situation. Das interessante dabei ist, dass ich somit nicht nur wie geplant kontinuierlich mein Französisch, sondern eben so punktuell mein Englisch verbessern konnte. Dies entspricht der Idee, dass man am besten prüfen kann, ob man etwas gelernt hat, wenn man es jemanden anderem beibringt. Dabei wird man mit Fragen konfrontiert, die einem selber wohl möglich nicht in den Sinn kommen würden und somit wird festgestellt, ob das Konzept auch zu 100% verstanden ist. Ähnlich geht es beim Fremdsprachenerwerb in einer bereits bekannten, weiteren Fremdsprache zu. Neue Sprichwörter und Vokabeln sind nicht nur Anhaltspunkte und potentielle Eselsbrücken, sondern geben auch einen Perspektivwechsel für die bessere Fremdsprache.

Ein weiterer Pluspunkt dieses Konzeptes ist die Möglichkeit, fremdsprachige Webseiten als zusätzliches Hilfsmittel zu benutzen. Ich habe in der Vergangenheit gerne auf BBC Languages zurückgegriffen. Viele Sprachen haben individuelle Seiten mit tollen Rubriken wie z.B. „Cool German“ für Slang Wörter, „Deutsch Plus“ für Situationslernen und aktuelle Themen wie Fussball-Special zur WM.

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Sprachen und Macht

Ein höchst interessanter Artikel erschien diese Woche auf der Guardian Webseite, hochwertige britische Tageszeitung, und ich empfehle jedem der Englisch spricht, sich diesen einmal durchzulesen. Der Journalist und Autor des Buches „Who are we – and should it matter in the 21st century?” Gary Younge diskutiert die Signifikanz von Sprachen während der letzten und auch diesem Jahrhundert. Ausgangspunkt des Artikels ist die kürzliche Parlamentswahl in Belgien, welche die nationalistische Neu-Flämische Allianz (NVA) als stärkste politische Kraft etablierte. Hauptagendapunkt der NVA ist die Unabhängigkeit von Flandern, dem holländischen Dialekt sprechenden Teil Belgiens (mehr dazu hier). In einem Land wie Belgien mit 3 verschiedenen Amtssprachen wird eine Sprache schnell zum Politikum.

Younge zeigt weiter wie historisch gesehen, Sprachen ein politisches Instrument waren, welches Nationalitäten aufgesetzt bekamen und nicht wie man meinen sollte, erschufen. Deutlich wird das durch Beispiele aus Italien, wo zum Zeitpunkt der Vereinigung und Auserkorung Italiens nur etwa 2,5% der Bevölkerung Italienisch sprachen und dies jedoch zur Amtssprache wurde. Ebenso sprachen nur 12-13% der Franzosen korrektes Französisch zur Zeit der französischen Revolution. Selbst heute finden sich noch solche Fälle, wie Belgien zeigt. Aber auch Spanien hat neben dem offiziellen Spanisch, drei weitere regionale Dialekte (Katalanisch, Baskisch und Galicisch) welche ihre Anhänger haben und nicht zuletzt durch politische Auftritte ihre eigene Vormachtstellung verdeutlichen möchten.

Vielleicht werde ich mir auch das Buch zulegen. Auf jeden Fall wird hier ein sehr interessanter Aspekt von Sprachen besprochen, dem viele (auch ich) wahrscheinlich nichtswissend gegenüber standen. Selten hat mich zumindest ein Artikel so wachgerückelt und meine Perspektive zu Fremdsprachen in Frage gestellt.

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Firmen unterstützen Fremdsprachenerwerb

Ich bin vor kurzem auf eine Initiative von der Daimler AG und Robert Bosch Stiftung in Kollaboration mit der Föderation Deutsch-Französischer Häuser aufmerksam geworden. Die Initiative nennt sich DeutschMobil und schickt junge Rektoren mit Stern-Vans durch Frankreich, um an französischen Schulen das Erlernen der deutschen Sprache zu promoten. Seit 9 Jahren findet diese Aktion jährlich statt und laut eigenen Angaben sind inzwischen 7.500 Schulen besucht worden und 460.000 Schüler haben dank der engagierten, angehenden Deutschlehrern durch Spiele, Videos und dergleichen die deutsche Sprache und Kultur besser kennengelernt.

Firmen-Gehirnwäsche im zarten Alter oder sinnvolle Ergänzung zum regulären Kurs-Curriculum an Schulen? Wie ich finde, ist letzteres der Fall. Es wurde schon öfter an dieser Stelle erwähnt, dass die Freude an Sprachen am besten in jungen Jahren entfacht wird. Die Kombination aus motivierten und ausgebildeten Muttersprachlern mit Unternehmenshilfe scheint nicht nur sinnvoll, sondern ist auch effektiv:

„An den besuchten Schulen sind die Anmeldungen für Deutsch als erste Fremdsprache bedeutend gestiegen.”

Genauso sollten Firmen jedoch auch in Ihre eigenen Kräfte investieren. Klar, ist es nicht möglich Chef-Mechaniker der neuen E-Klasse im Van drei Monate durch Frankreich zu schicken, jedoch könnte beispielsweise die Signifikanz von Fremdsprachen an hiesigen Schulen durch weltweit operierende Konzerne viel authentischer kommuniziert werden. Fremdsprachenkurse für Mitarbeiter (wie z.B. bei Language Trainers – siehe hier Liste an Unternehmen, die bereits erfolgreich Angestellte an Kursen haben teilnehmen lassen) können ebenfalls die Basis stellen für Kurztrips im globalen Firmennetzwerk oder sozialen Aktivitäten, welche die Firma im Gegenzug gut aussehen lässt.

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Auch die Kleinen sollen lernen

Die Debatte, ob Kinder schon in frühen Jahren Fremdsprachen lauschen sollen, um somit bilingual oder sogar trilingual aufzuwachsen gibt es schon seit Ewigkeiten. Während Sozialpsychologen davon ausgehen, dass Kinder sprachneutral zur Welt kommen und jede Sprache umgehend erlernen können, welche ihre Umwelt hergibt, sind manche Kinderpsychologen und Sprachwissenschaftler sich uneinig, ob die Aussetzung zu mehreren Sprachen in jungen Jahren nicht zu Verwirrung führt. So sollen beispielsweise die ersten Laute die Babys hergeben ein Durcheinander aus allen Sprachen sein, welche anschließend geformt durch soziale Interaktion mit Eltern und weiteren Mitmenschen zur eigentlichen Sprache hinführt. Wie es Kindern gelingt bei der Aufnahme von verschiedenen Sprachen, diese zu unterscheiden, ist mir noch unklar, jedoch habe ich folgende Seite letzte Woche entdeckt, welche bereits Kleinkindern ab drei Jahren das Erlernen und Aufbessern von Fremdsprachen näher bringt.

Auf Chillola, eine Abkürzung aus dem Englischen für „CHIldren LOve LAnguages“, stehen Zeichnungen und Fotografien sowie Audiowiedergaben zu diesen Illustrationen bereit, so dass erste und fortbildende Lernschritte in Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Italienisch gemacht werden können. Alle Materialien stehen für 3-12 Jährige bereit und bringen Kultur, Land und Sprache der respektiven Fremdsprache zum Vorschein. Die Idee stammt von Tina Jack, die aus Deutschland stammt, jedoch mittlerweile in den Staaten lebt, und auf der Suche nach guten Lernprogrammen für ihre Kinder war. Nach erfolgloser Suche hat sie sich selber an die Arbeit gemacht um Chillola auf die Beine zu stellen und somit vielen Kinder und Eltern auf der ganzen Welt (Englisch ist dabei jedoch Voraussetzung, um durch die Seite zu navigieren), eine bunte Fremdsprachenausbildung zu ermöglichen.

Hier geht es zum offiziellen Pressebericht zum Launch von Chillola.

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